- Wie hast du gemerkt/erfahren das du Borderline hast bzw du "anders" bist?
"Gemerkt hab ich schon als Kind und besonders als Teenie, dass ich anders ticke. Oft wurde ich ermahnt ich solle nicht so überreagieren, oder ich soll versuchen nicht immer so perfekt zu sein, denn dass sei ich nicht - besonders in der Musik. Oft lachte ich Tränen wo andere sagten ich soll nicht so tun und oft heulte ich wo man sagte ich soll mich nicht so haben, soll mir alles nicht so zu Herzen nehmen. Ich konnte nichts dran ändern, denn so war ich eben. Erfahren hab ich von dem Zustand 2006, als ich einen Zusammenbruch erlebte, durch den Tod einer sehr guten Freundin. Das war der eigentliche Beginn, vom Wissen meines Zustandes. Bereits 1995 nach einem schweren Autounfall hatte ich 4 Suizidversuche hinter mir. Immer mal wieder Alkoholexzesse, schubweise, nicht ständig. Auch fing ich 1995 an zu ritzen. Das ging 1 1/5 Jahre, bis es sich wieder legte. Ich bin seit ich den Führerschein besitze eine aggressive Autofahrerin und verfalle oft in einen Kaufrausch, wenn ich traurig bin. "
- Wie hat deine Familie (Eltern, Partner, Kinder) oder Freunde reagiert? bzw wie reagieren sie noch immer?
"1995 hab ich dann meinen Freundeskreis komplett aufgelöst, weil
ich, als ich Hilfe brauchte, ganz allein dastand. Noch heute tue ich mich
schwer anderen zu vertrauen. Für meinen Mann ist es nicht leicht mit
mir zu leben und doch kenn ich ihn schon seit 1990. Wir haben viele Höhen
und Tiefen durch und ich glaub nicht, dass er mich versteht. Er meint ich
war schon immer so. Ich reagierte immer schon sehr schnell - verfiehl sehr
schnell vom Lachen ins Heulen oder in Aggression, Zwischentöne gab es
noch nie,seit er mich kennt. Den Kindern gegenüber versuche ich es nicht
zu zeigen und dass ist wahnsinnig schwer. Meinen Eltern gegenüber mach
ich große Vorwürfe. Nie bekam ich elterliche Liebe, Wärme
oder Geborgenheit zu spüren. Immer bekam ich zu hören, du musst
stark sein, oder ich will keine Tränen sehen."
- Deine Erfahrungen im Berufsleben, Arbeitgeber, Mitarbeiter... etc.
"Meine Erfahrungen im Berufsleben sind unter anderne sehr gut. Meine
Arbeitgeber waren bis jetzt immer zufrieden. Ich war immer eine der letzten
die Feierabend machten. Oft schrubbte ich Überstunden, weil ich einfach
kein Ende sehen konnte. Unter den Mitarbeiterinnen war ich als sehr hilfsbereit
bekannt, laut Zeugniss. Heute bin ich grad mal in der Lage 3 Stunden täglich
zu arbeiten. Danach geht garnix mehr, seit dem Zusammenbruch 2006."
- Wie sieht dein Tag aus? Gefühle, Gedanken ...
"Ich komm oft ins grübeln, warum ich 1995 nicht sterben durfte,
warum ich leben muss, was mein Leben überhaupt für einen Sinn hat.
Ich denke oft, dass ich es nicht wert bin geliebt zu werden, dass ich keine
gute Mutter bin. Ich kann mein Leben nicht geniessen, weil ich nichts geniessen
kann. Nicht einmal das Essen kann ich geniessen. Immer wenn ich ins Grübeln
komme und dann in ein Tief falle, macht sich meine Bulimie bemerkbar. Ich
bekomme dann Heisshungerattacken, fange am ganzen Körper an zu Zittern
und breche dann zusammen. Dass geschieht mindestens einmal pro Woche, die
Essattacken sind dann 2x pro Woche. Vor und nach dem Zusammenbruch."
- Thema Liebe
"Was ist das???"
- Erfahrung mit Ärzten und Kliniken
"2006 war ich in der Psychiatrie in Pfafferode für 5 Wochen.
Eigentlich war es nur um zur Ruhe zu kommen. Dort stellte man die Diagnose
emotionale instabile Persönlichkeitsstörung - Typ Borderline. Ich
bekam nach den 5 Wochen zu hören, man könne mir nicht weiter helfen,
dass müsse ambulant bearbeitet werden. Einfach abgestempelt, hab ich
mich gefühlt. Keine Hilfe, wie ich damit umgehen kann, wie ich damit
lernen kann zu leben. Danach hab ich dann ne Verhaltenstherapie gemacht, die
mir nicht wirklich was gebracht hat. Der Therapeut hat mich aber zu einer
guten Psychiaterin überwiesen und hatte auch gleich einen Termin, noch
am gleichen Tag, gemacht. Mit ihr komm ich ganz gut aus. Bei ihr hab ich einen
Antisuizidpakt unterschreiben müssen, sonst keine Behandlung. Sie baut
mich langsam wieder auf. Letztes Jahr war ich immerhin schon soweit eine Reha
zu machen, in der Kurklinik an der Salza. Fünf Wochen lernte ich dort
zu entspannten, Zeit für mich zu finden und diese Zeit auch zu nutzen.
Aggressionen abbauen und nicht gegen sich selbst zu richten. Doch auch hier
bekam ich wieder zu hören, mehr könnten sie für mich nicht
tun. Jetzt, ab Februar bekomme ich wieder 5 Probestunden für eine Therapie,
welche wird sich dann entscheiden, bei meiner Psychiaterin. Ich bin mal ehrlich,
ich schaffe es immer weniger, das Erlernte umzusetzen. Immer wieder falle
ich in den alten Trott und auch die SVV beginnt wieder."